Anastomosenreduktion
Klinische Erkenntnisse zu Gewichtszunahme und Dumping-Syndrom
Wichtige klinische Ergebnisse
- BARS® ist ein neuartiges endoskopisches System zur Behandlung erweiterter Anastomosen nach bariatrischen Bypass-Operationen
- Frühe klinische Daten zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von Gewichtszunahme und Dumping-Syndrom
- Erste US-Erfahrung: 100 % technischer Erfolg, 10,5 % Gesamtkörpergewichtsverlust (engl. total body weight loss, TBWL) nach 1 Monat, keine unerwünschten Ereignisse 3
- REDUCE-Studie: 77 % Anastomosenreduktion, signifikante Symptomverbesserung beim Dumping-Syndrom 5
- Weitere klinischen Daten aus erweiterten Patientenkohorten sind derzeit in Vorbereitung
Überblick
Die transorale Outlet-Reduktion (TORe) und Techniken zur Anastomosenreduktion gewinnen als minimalinvasive Alternativen zur chirurgischen Revision bei postoperativen Komplikationen wie Gewichtszunahme und Dumping-Syndrom zunehmend an Bedeutung.1
BARS® – eine neuartige endoskopische Plattform von Ovesco Endoscopy AG – gehört zu den aufstrebenden Technologien in diesem Bereich. Mit wachsender klinischer Erfahrung zeigen erste Daten zur Behandlung von Gewichtszunahme und gezielten Therapieansätzen für erweiterte Anastomosen bei Patienten mit Dumping-Syndrom vielversprechende Ergebnisse. 2, 3, 4, 5
Mit zunehmender klinischer Erfahrung und weiteren verfügbaren Daten könnte diese innovative Technologie neue Möglichkeiten bieten, um Patientenergebnisse zu verbessern und das therapeutische Instrumentarium in der endoskopischen bariatrischen Versorgung zu erweitern.
Verfahren
BARS® (Ovesco Endoscopy AG)
BARS® zur endoskopischen Behandlung von Anastomosen und Lumenreduktion
BARS® ist eine neuartige, minimalinvasive endoskopische Plattform zur Behandlung erweiterter Anastomosen, die nach bariatrischen Bypass-Operationen auftreten können.
Basierend auf dem bewährten OTSC® System ist BARS® eine vollständige Behandlungseinheit mit zwei zusätzlichen Arbeitskanälen, die die gleichzeitige Verwendung von drei Applikationshilfen mit therapeutischen Einkanal-Endoskopen ermöglicht.1 Zwei Applikationshilfen werden zur parallelen Manipulation von Gewebe in die Kappe eingesetzt, ein Ballon zur Aufrechterhaltung eines definierten Restlumens (siehe Video oben).
Hauptmerkmale:
-
- Minimalinvasiver endoskopischer Ansatz
- Sichere und effektive Technik2, 3, 5
- Komplikationsarmes Verfahren mit einfacher Handhabung4
Klinische Evidenz
Studienergebnisse und Fallbeispiel
Gewichtszunahme nach RYGB betrifft 20–25 % der Patienten. Die Dilatation der gastrojejunalen Anastomose (>15 mm) ist ein wesentlicher Faktor. ¹ Erste klinische Erfahrungen mit dem OTSC® System etablierten die endoskopische Anastomosenreduktion als praktikablen minimalinvasiven Ansatz.2 Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde BARS® als spezialisierte Plattform entwickelt, die für diese Anwendung konzipiert ist und optimierte Instrumentierung sowie dedizierte Funktionen für die Anastomosenreduktion bietet.1
Heylen et al. zeigten die Wirksamkeit des OTSC® System bei 94 Patienten mit erneuter Gewichtszunahme nach Magenbypass.2 Die Studie erreichte eine signifikante Reduktion des Anastomosendurchmessers von 35 mm auf 8 mm mit anhaltendem Gewichtsverlust. Dies spiegelte sich in einer BMI-Reduktion von ca. 16 % von 32,8 auf 27,4 bei der 12-Monats-Nachuntersuchung wider. Es wurden keine schwerwiegenden Komplikationen berichtet.
Firkins et al. berichteten über die erste klinische US-Erfahrung mit BARS® bei drei Patienten mit Gewichtszunahme nach RYGB.3 Die Studie zeigte einen technischen Erfolg von 100 % mit ≥70 % Anastomosenreduktion und einem mittleren TBWL von 10,5 % nach 1 Monat. In dieser initialen Fallserie wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet. Weitere klinische Daten aus einer erweiterten Kohorte sind derzeit in Vorbereitung.
Fallbeispiel: Erste US-Erfahrung mit BARS®3
Eine 52-jährige Patientin mit Bypass (RYGB 2009) und 67,3 % Gewichtszunahme wurde vorstellig. Ihre erweiterte gastrojejunale Anastomose wurde erfolgreich mit BARS® in einer einzigen endoskopischen Sitzung behandelt.

Endoskopische Ansicht der Anastomose vor (20 mm), während und nach der BARS®-Behandlung (5 mm).3
Wichtige Ergebnisse:
- Anastomosenreduktion: 20 mm → 5 mm (75 % Reduktion)
- Gewichtsverlust nach 1 Monat: 12,2 kg (13,5 % TBWL)
- BMI-Reduktion: 40,5 → 36,0 kg/m² (-4,5 kg/m²)
Der Eingriff wurde in 48 Minuten ohne unerwünschte Ereignisse abgeschlossen. Die Autoren berichteten über eine steile Lernkurve: Die Prozedurzeit sank bis zum 3. Fall auf 19 Minuten. Dies deutet darauf hin, dass BARS® mit zunehmender Erfahrung des Anwenders zu einem schnellen ~20-Minuten-Verfahren werden kann.
Erweiterte Anastomosen nach RYGB sind häufig mit dem Dumping-Syndrom assoziiert, was die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigt.¹ Die endoskopische Lumenreduktion mit BARS® bietet einen gezielten, minimalinvasiven Ansatz. Sie verlangsamt die Magenentleerung und stellt die restriktive Kapazität wieder her.
Die REDUCE-Studie5
Küllmer et al. untersuchten BARS® zur Anastomosenreduktion bei 23 Patienten mit Dumping-Syndrom nach RYGB an drei tertiären Versorgungszentren in Deutschland.
Wichtige Ergebnisse:
- Anastomosenreduktion: 38,0 mm → 8,9 mm (77 %)
- Sigstad-Score-Verbesserung: -12,5 Punkte (von 17,5 auf 5 Punkte) in Woche 12 (p<0,001)
- Keine schwerwiegenden Komplikationen
Die REDUCE-Studie bestätigt, dass BARS® eine effektive minimalinvasive Alternative für Patienten mit Dumping-Syndrom ist. Sie liefert signifikante Verbesserungen sowohl bei objektiven Messungen als auch bei von Patienten berichteten Symptomen.
Komplementäre Technologie: stentFIX System
Über das Anastomosen-Management hinaus bietet das stentFIX System eine spezialisierte Lösung zur Fixierung endoskopischer Stents im Gastrointestinaltrakt. Dieses System ist besonders wertvoll bei bariatrischen Patienten zur Sicherung von Stents bei der Behandlung von Leckagen, Stenosen oder Fisteln. Es reduziert das Risiko einer Stentmigration erheblich und verbessert die klinischen Ergebnisse.1
Klinische Evidenz
Bronswijk et al. evaluierten das stentFIX System bei 20 bariatrischen Patienten (90 % RYGB, 10 % Mini-Bypass), die sich einer endoskopisch Ultraschall-gesteuerten transgastrischen ERCP (EDGE) in einer Sitzung unterzogen.6
Wichtige Ergebnisse:
- Keine LAMS-Migration (0 % bei allen Patienten)
- 95 % technische Erfolgsrate bei Single-Session-EDGE
- Keine Verfahrensverzögerung (vs. typischerweise 1–2 Wochen für Fistelreifung)
- Nur 10 % geringfügige unerwünschte Ereignisse (verfahrensbedingt; keine davon dem stentFIX System zugeschrieben)
Das stentFIX System ist auf einfache Handhabung und zuverlässige Fixierung ausgelegt. Es stellt eine essentielle Ergänzung des Instrumentariums für bariatrische Endoskopiker bei der Behandlung komplexer postoperativer Komplikationen dar.1
Zusammenfassung und Ausblick
Innovationen in der endoskopischen bariatrischen Versorgung entwickeln sich kontinuierlich weiter und bieten neue Ansätze zur Behandlung postoperativer Komplikationen. Mit wachsender klinischer Erfahrung mit BARS® erforschen immer mehr Zentren weltweit, wie diese Technologie in ihre Behandlungsalgorithmen integriert werden kann.
Die aktuelle Evidenz zeigt:
- BARS® zeigt vielversprechende frühe Ergebnisse bei der Anastomosenbehandlung bei Gewichtszunahme und Dumping-Syndrom
- Das Verfahren erscheint sicher und durchführbar in der initialen klinischen Erfahrung
- Weitere klinische Daten aus erweiterten Patientenkohorten sind derzeit in Vorbereitung
- Komplementäre Technologien wie das stentFIX System erweitern die therapeutischen Optionen bei bariatrischen Komplikationen

